Fellofanten-Weihnachtsgeschichte 2023 (noch in Arbeit)

Die Fellofanten feiern Weihnachten

Die Dekoration

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür – zwar nicht unbedingt überraschend, aber wie jedes Jahr doch irgendwie unverhofft. Da heißt es dann wieder, sich auf die alte, klapprige Leiter zu schwingen und die zentnerschweren Kartons mit der Weihnachtsdekoration aus dem Schrank zu wuchten. Diese werden dann ins Wohnzimmer verfrachtet und unter großem Interesse seitens der Fellofanten geöffnet. Um nicht jedes Jahr einen neuen Baum kaufen zu müssen, und an diesem dann – wie es schon Annodazumal mein Opa machte – die Äste per Hand zu versetzen, damit auch die allerletzte lichte Fichte vom Hinterhof des Tannenbaumhändlers aussieht wie ein üppiger erstklassiger Weihnachtsbaum, hatten wir uns extra einen künstlichen Weihnachtsbaum angeschafft, der auch tatsächlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem natürlichen Nadelgehölz aufweist. Der Zusammenbau desselbigen war dank der Mitarbeit die Fellofantenbande im Handumdrehen erledigt.

Ich freute mich über den Baum, der auch tatsächlich aussah wie ein Baum, die Katzen sich über den Verpackungskarton, der sofort ausgiebig getestet und für gut befunden wurde.

Jack alias Herr Schmusebert ist seines Zeichens unsere hochqualifizierte Auspackhilfe, und erst recht bei so einer festlichen Angelegenheit. Jeder noch so kleine Strohstern, jedes Kügelchen und jeder Wichtel wird von ihm höchstselbst einer gründlichen Inspektion unterzogen, beschnuppert und ausgiebig beschmust. Vorher kommt hier nichts an den Baum! Besteht ein Gegenstand diesen speziellen „Jack-Check“ nicht, muss er umgehend wieder in die Kartons mit der Weihnachtsdekoration zurückgelegt werden. Von mundgeblasenen Christbaumkugeln und filigranen Porzellanfigürchen haben wir schon vor Jahren Abstand nehmen müssen, denn diese fielen nach und nach auf wundersame Weise vom Weihnachtsbaum ab, und wurden von den Samtpfoten fachgerecht in ihre Bestandteile zerlegt. Und so zieren den Christbaum katzentauglichere Dekorationselemente wie Strohsterne, Holzwichtel, selbstgeklöppelte Christbaumkugeln und ihre nicht ganz so edlen Geschwister aus schnödem Kunststoff in allen nur erdenklichen Farben und Mustern. Vor allem Kugeln mit viel Glitzer haben es Herrn Schmusebert angetan, und so finden sich diese zuhauf am weihnachtlichen Kunststofftannenbaum.

Beim Anbringen der Weihnachtsdekoration an dem Baum und an den Fenstern erhalte ich tatkräftige Unterstützung von den Wohnzimmerfellofanten plus Herrn Schmusebert. Mich mit Argusaugen beäugend verfolgen Whiskey, Bailey und Herr Schmusebert jeden meiner Handgriffe. Wird ein Dekorationselement aus ihrer Sicht an einer ungeeigneten Stelle angebracht, wird es umgehend von meinen Dekorationsassistenten entfernt. Als dienstältestem Katzentier obliegt Herrn Schmusebert hierbei selbstredend die Oberaufsicht, während Bailey und Whiskey seine ausführenden Gehilfen sind. Nach mehreren nervenaufreibenden Stunden besteht der von mir geschmückte Baum endlich die kätzische Endabnahme. Fehlt nur noch die Christbaumspitze – hier entscheidet sich Herr Schmusebert für die rot-glitzernde Ausführung, denn schließlich ist er ja auch unsere rote Liebesrakete.

Jetzt sind die Fenster an der Reihe, um vom alltäglichen Gebrauchsgegenstand in ein pompöses Festelement verwandelt zu werden. Hierbei geht mir Lena zur Hand. Während ich im Schweiße meines Angesichts allerkleinste Glitzerfenstersterne auseinanderpfriemele und sie dann an ausgewählten Stellen des Fensters anbringe, knibbelt Lena ganz gemütlich die mühsam angebrachten Bilderchen wieder ab, die aus Sicht der Fellofantenbande am falschen Platz sind. Doch auch hier gelingt selbst mir einfach strukturierten Wesen bereits nach mehreren Stunden ein nahezu perfektes Ergebnis: die unteren 90 cm der Fenster sind fensterbildfrei, damit die Katzentiere auch weiterhin ungestört ihr Katzen-TV gucken können; auf den restlichen 30 cm tummeln sich zahlreiche Sternchen, Weihnachtsmänner samt Rentieren und Engeln, Tannenbäume geben sich ein Stelldichein mit rotweißen Zuckerstangen.

Jetzt fehlt allerdings noch die Absegnung der gesamten Dekoration durch das mir angetraute Eheweib, das schon seit einigen Tagen voller Weihnachtsfreude ist, was sich vor allem durch das gelegentliche spontane Anstimmen diverser Weihnachtslieder bemerkbar macht. Ihre persönliche Top Ten der Weihnachtslieder umfasst alle Klassiker und neue Hits, angefangen von „O Tannenbaum“, „Leise pieselt das Reh“ bis hin zu ihrem absoluten Lieblingslied „Eine Muh, eine Mäh, eine Tätärätätä“. Also rufe ich meine Frau herbei und warte gespannt auf ihr Urteil. Kritisch betrachtet sie den Baum, zupft mal hier an einem Ästchen, rückt dort einen Strohstern zurecht. Danach nimmt sie die weihnachtlich geschmückten Fenster in Augenschein, dreht sich zu mir um und sagt: „Boah ey, da machste getz so’n Bohei für so’n Kokolores? Dat wa früa abba mehr Lametta!“

Nachdem der Katzen-TÜV und das mir angetraute Eheweib sämtliche Dekorationen dergestalt abgesegnet haben, steht einem gemütlichen Ausklang des Tages mit ein wenig Glühwein ja nichts mehr im Wege. Bim-Bam, Lampe an, Weihnachten ist toll und ich bin voll!

Der Morgen danach

Nach dem ausgiebigen Feiern der diesjährigen Weihnachtsdekoration noch nicht ganz im Hier und Jetzt angekommen, schlurfe ich – angetan mit meinen Merinowollklumpfusshausschuhen und bewaffnet mit einem Kaffee – ins Wohnzimmer und zwinkere den Weihnachtsbaum an. Der Baum zwinkert zurück. Ich zwinkere nochmals. Das Zwinkern wird erwidert. Bahnt sich hier etwa eine Freundschaft an? Gestatten, das ist mein neuer Freund, der künstliche Weihnachtsbaum? Garantiert stubenrein und nadelfrei!

Bei genauerem Hinsehen kann ich zwischen der üppigen, so mühevoll angebrachten Dekoration zwei grüne Augenpaare ausmachen, ebenso wie den dazugehörigen Rest. Whiskey und Bailey haben es sich in den Zweigen des künstlichen Baumes gemütlich gemacht. Der hat mit dieser zusätzlichen Last arg zu kämpfen, hängen doch statt filigraner Weihnachtsstrohsterne zwei stattliche Fellofanten mit einem Kampfgewicht von vier bis sechs Kilo in seinen fragilen Metallästchen. Die zwei Weihnachtsengel in Ausbildung und die Schwerkraft fordern ihren Tribut: die belagerten Äste biegen sich bedrohlich nach unten. Grazil lassen sich die beiden Katzentiere gleichzeitig aus dem Baum gleiten und mich mit dem sich ankündigenden Unheil allein. Die plötzlich von dem Zusatzgewicht befreiten Äste biegen sich nun nicht mehr nach unten durch, sondern schnellen geschwind nach oben, und werfen dabei alles von sich. Das Ganze übt einen Dominoeffekt aus: auch die übrigen Zweige schnellen abrupt nach oben und entledigen sich jeglicher Weihnachtsdekoration. Diese wird in Richtung der 2,70 Meter hohen Zimmerdecke katapultiert, während ich dem ganzen Schauspiel gebannt mit den Augen und vor Staunen offenem Mund folge. Oben angekommen, drehen sich Wichtel, Strohsterne und LED-Lichtschlauch einmal um die eigene Achse, um dann in Richtung Erdboden hinabzufallen, und natürlich auf mir zu landen. Christbaumkugeln hängen sich an meine Ohren, der LED-Lichtschlauch umwickelt mich von oben bis unten, Strohsterne hängen in meiner Vogelnestfrisur. Als Krönung landet noch die weinrote Christbaumspitze auf meinem wirren Haupt. Ich könnte mich – derart ausstaffiert – als Aushilfstannenbaum entweder ins Wohnzimmerfenster oder auch in den schneebedeckten Garten stellen. Ein Hingucker bin ich allemal.

Beim Versuch, mich fortzubewegen, komme ich ins Stolpern, und lande auf dem Wohnzimmertisch, direkt auf einem der zahlreichen dort platzierten weißbärtigen Weihnachtswichtel. Zum Glück ist dieser vollständig aus Filz, nachdem es im letzten Jahr eine kurze, aber intensive Begegnung zwischen meinem Hinterteil und einem Keramikdekorationsweihnachtsmann gab. Die verlief für uns beide nicht besonders glücklich: der Wichtel war hinüber, und ich landete mit den Resten einer Wichtelmütze im Hintern in der nächstgelegenen Notaufnahme, zur überschwänglichen Freude der dort Diensthabenden, denn schließlich bekommt man den „runden Mond von Wanne-Eickel“ samt Mann im Mond nicht alle Tage zu Gesicht.

Grazil wie eine gefällte Eiche gleite ich vom weihnachtlich geschmückten Tisch zu Boden und versuche mich irgendwie aufzurichten.

Nur mit viel Mühe und Not und dank der Mithilfe der Wohnzimmerfellnasen gelingt es mir, mich vom Aushilfstannenbaum in mein morgendlich umnebeltes Selbst zurückzuverwandeln. Während ich auf dem Boden herumrobbe wie ein waidwundes Walross auf dem Sandstrand, hüpfen die Wohnzimmerkatzen vor Freude um mich und auf mir herum. Augenscheinlich halten sie meine missliche Lage für ein großartiges Spiel, mit dem ihre Dosenöffnerin ihnen einen Spaß bereiten will. Mir schief gewickelter Aushilfsmumie gelingt es endlich, mich am Sofa aufzurichten und auf selbiges zu setzen. Vorsichtig komme ich auf die Füße, aber ohne Beistand kann ich mich nicht von der Weihnachtsbaumdekoration befreien. Bailey eilt mir zur Hilfe, und fasst vorsichtig mit den Zähnen den LED-Lichterschlauch. Mit winzig kleinen Trippelschritten drehe ich mich grazil im Kreis und fühle mich wie dabei eher wie eine Baletthummel denn als graziöse Ballerina. Auch Whiskey hilft bei der Befreiung tatkräftig mit: Er klettert an mir hoch, lässt sich auf meinem wirren Haupt nieder und beginnt vorsichtig, die Strohsterne aus meiner Vogelnestfrisur zu lupfen. Prima, jetzt sehe ich bestimmt auch noch aus wie ein Weihnachtsbaumdöner!

Mit sorgenumfurchter Stirn beschaue ich mich und das Desaster, denn das, was einst aussah wie eine echte, stolze und üppige Nordmanntanne, sieht nun aus wie eine Mischung aus zarter, unbelaubter Birke und einem gerupften Huhn. Hier und da hängt noch ein einsamer Strohstern. Und es sind nur noch vier Tage bis Weihnachten, da ist an einen Ersatztannenbaum nicht zu denken. Meine allzeit treue Haushaltshilfe Bailey spürt mein Dilemma, und apportiert mir, begleitet von ihrer „Mama-guck-mal-was-ich-hier-hab“-Arie, aus allen Himmelsrichtungen Ersatzweihnachtsdekoration an. Und so finden neben vereinzelten Weihnachtskugeln, Strohsternen und Wichteln auch zwei Flummis, einige Socken und Katzenspielzeug ihren Weg an den Weihnachtsbaum. Als Krönung und Ersatz für den LED-Lichtschlauch favorisiert Bailey den drei Meter fünfzig langen Zugluftstopper in Form einer bunten Schlange. Sie unterstützt mich ebenfalls tatkräftig bei der Umdekoration der Weihnachtskrippe. Das Ensemble besteht nun aus einer Socke (Josef), einem Topflappen (Maria), und einer Spielzeugmaus (Jesus). Der Ochse hat ihr wohl nicht gefallen, denn er ist gänzlich verschwunden, während der Esel durch ein Baldriankissen ersetzt worden ist. Ich bin jetzt schon gespannt, wen Bailey als Ersatz für die Heiligen Drei Könige finden wird. Nur die Hirten mitsamt Schafen stehen ein wenig verloren in der Gegend herum, und harren der Dinge, die da kommen werden.

Zumindest haben wir dieses Jahr eine extraordinäre Weihnachtsdekoration, geschaffen von den Fellofanten höchstselbstpersönlich.

Die Geschenke einpacken

Nach dem alljährlichen doch recht kurzfristigen Einkauf diverser Geschenke müssen diese auch noch ordnungsgemäß verpackt werden. Dazu gehören neben Unmengen von weihnachtlichem Geschenkpapier rollenweise Tesafilm, buntes Geschenkband, Ruhe und natürlich Fellofanten. Um wenigstens ein wenig Muße zum Einpacken zu haben, drapiere ich mich mitsamt Zubehör auf mein Bett im Schlafzimmer. Wie aus dem Nichts leisten mir die beiden Schlafzimmerkatzen Merlin und Miss Moeple Gesellschaft, dicht gefolgt von Herr Schmusebert. Dieser steht mir auch hier wieder bei der Auswahl von Geschenkpapier und Geschenkband mit Rat und Tat zur Seite. Zum Glück haben alle von mir besorgten Geschenke bereits vorher den „Jack-Check“ erfolgreich durchlaufen. Das Weihnachtspapier wird nicht nur beschnuppert und ausgiebig beschmust, sondern von den dreien auch einem ausführlichen Krallenhaltbarkeitstest unterzogen. Nur Geschenkpapierbögen, die diesen Test bestehen, kommen in die nähere Auswahl als Verpackungsmaterial. Der Krallenhaltbarkeitstest geht folgendermaßen vonstatten: Ich rolle ein Stück Geschenkpapier von der Rolle, um es abzuschneiden. Währenddessen prüfen alle drei Fellofanten zeitgleich an unterschiedlichsten Stellen des Papiers dessen Haltbarkeit, indem sie mit ausgefahrenen Krallen darauf hauen. Reißt das Papier direkt bei der ersten Berührung, ist es aus Sicht der Katzenbande gar nicht erst als weihnachtswürdiges Verpackungsmaterial geeignet. Miss Moeple hat zudem noch die ehrenvolle Aufgabe übernommen, das auf einer Rolle aufgerollte Geschenkband einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Jedes noch so kleine Stückchen Band wird von ihr genauestens beäugt und dann sorgsam erst um die eine, dann um die andere Pfote gewickelt, danach wird herzhaft hineingebissen. Nach dem soundsovielten Test verliert Miss Moeple allerdings den Fokus auf die ihr gestellte Aufgabe völlig aus den Augen. Dies endet damit, dass die grazile graue Katzendame in gefühlte 10 Meter goldgelbes Geschenkband eingerollt ist, welches hervorragend mit ihren bernsteinfarbenen Augen harmoniert. Merlin hat es sich derweil auf einem der ausgerollten und bereits perfekt zugeschnittenen Geschenkpapierbogenteile bequem gemacht, während Herr Schmusebert die Tesafilmrolle als neuestes Spielzeug für sich entdeckt hat. Zielsicher schießt er unter Einsatz seiner vier Pfoten das Klebeband unter den Schrank, natürlich bis hinten an die Wand. Mit ihm als Mittelstürmer würde auch die allerletzte Gurkentruppe spielend leicht den Einzug in die nächste Fußball-Weltmeisterschaft bewältigen können. Mit einem Besen bewaffnet robbe ich auf dem Boden umher, und versuche, das dringend benötigte Utensil wieder herbeizuschaffen. Uralten Katzengesetzen folgend befördere ich zunächst Unmengen an Katzenspielzeug sowie diverse Topflappen und Socken zu Tage, ganz zu schweigen von Katzenkotzebröckchen, angekauten Leckerchen, Katzenstreu und Wollmäusen. Schlussendlich habe ich das heißersehnte Tesafilm am Haken. Danach steht die Befreiung von Miss Moeple an, ohne dabei die Geschenkbandrolle völlig zu zerstören, denn schließlich ist es die Einzige, die ich noch finden konnte. Mangels Miss Moeples Mitarbeit gestaltet sich dieses Unterfangen aber mehr als schwierig, da sie das Ganze für ein tolles Spiel hält, mit dem man den Dosenöffner stundenlang beschäftigen kann. Zwischendrin versuche ich, Merlin durch Beschmusen, Bitten und Betteln vom Geschenkpapierzuschnitt zu bekommen. Doch alle Mühe ist vergebens, erst durch den sofortigen Einsatz diverser Leckerchen und Thunfisch sind die drei Schlafzimmerkatzen zu befrieden, und lassen mich mit dem weihnachtlichen Pandämonium in Perfektion in Ruhe. Dieser Teil der Weihnachtsvorbereitungen wäre also auch geschafft!

Das Weihnachtsessen

Ein Festschmaus für mein angetrautes Eheweib und mich schwebt mir vor, und Thunfisch und Huhn für die Katzenbande. Ein selbstgezaubertes Boef Bourgignon mit Knödeln, Kartoffelstampf und Rotkohl soll es werden, mitsamt einer Vorsuppe und einem weihnachtlichen Dessert. Eingekauft ist bereits alles und der Rinderschmorbraten seit zwei Tagen eingelegt. Zeit, etwas aus den Zutaten zu zaubern! In Windeseile werden Kartoffeln geschält und im automatischen Küchenknecht gekocht. Auch die Zubereitung vom Kartoffelstampf geht mir dank meines Technikwichtels flott von der Hand. Zwiebeln häckseln, ab in den Topf, mit den Zwiebeln um die Wette schwitzen, fertig. Rotwein rieselt in die Sauce und mich, und Gewürze gesellen hinzu. Genauestens kontrolliere ich, ob dieses Mal auch der Spritzschutz am hochtechnischen Küchengerät ordnungsgemäß montiert ist und meine Haushaltshilfe Bailey nicht wieder irgendwelchen Firlefanz mit den Einstellungen des Apparates veranstaltet hat.

Ich öffne den Kühlschrank, um das eingelegte Rind herauszunehmen und es seiner Verarbeitung zuzuführen. Doch da, wo die beiden Dosen mit dem eingelegten Braten sein sollten, gähnt mich ein riesengroßes Nichts an. Rein gar nichts zu sehen vom ersehnten Stück Fleisch. Das Nichts nichtet ja, aber lässt es auch einen 2,5 kg schweren Rinderbraten einfach so verschwinden? So wie es aussieht, ist im Kühlschrank jedenfalls statt Rind nach Burgunder Art „Verlorenes Rind nach Urgroßomas Originalrezept“ angesagt. Das ruft den Supermeisterdetektiv in mir wach. Genauestens nehme ich die entsprechenden Fächer des Kühlschranks in Augenschein, und entdecke doch tatsächlich mit Hilfe meiner Supermeisterdetektivlupe winzig kleine Plastikteilchen, die verdächtig nach den beiden gesuchten Aufbewahrungsdosen aussehen. Eine Spur führt unter die Couch ins Wohnzimmer, eine andere direkt unter die Betten im Schlafzimmer, einige wenige Teilchen finden sich auf dem Kratzbaum in der Küche, auf welchem Mim residiert. Von Dosen, Fellofanten und Braten ist weiterhin nichts zu sehen. Gewappnet mit Lupe und Stirnlampe robbe ich auf dem Teppich im Wohnzimmer umher und spähe unter die Couch. Unter der ersten sehe ich nur meine beiden Technikwichtel Saugi und Wischi, die den Schlaf der gerechten Roboter schlafen, und auf ihren Einsatz warten. Unter Couch Nr. 2 liegen tatsächlich einige Plastiksplitter der Frischhaltedosen, und zwei Paar schläfrige grüne und ein Paar bernsteinfarbene Katzenaugen blinzeln mich an. Vom Rinderbraten fehlt immer noch jede Spur. Wie ein Bluthund, der eine Fährte aufnimmt, folge ich der Plastikteilchenspur ins Schlafzimmer, und untersuche den gefliesten Boden unter dem Schrank. Doch bis auf Socken, Leckerchen und erneute Wollmäuse ist hier nichts zu sichten. Dann wende ich mich dem Bereich unter den Betten zu, und finde das gleiche Bild vor wie im Wohnzimmer: Plastikteilchen, kein Braten, dafür aber schläfrig-blinzelnde Samtpfoten. Wieder in der Küche angekommen, setze ich mühselig bei einem Kaffee alle Puzzleteilchen zusammen: pappsatte Katzentiere, Plastiksplitter, kein Braten im Kühlschrank. Alles sieht danach aus, als ob die Katzenbande zusammengearbeitet hätte, um den Kühlschrank leerzuräumen. Als größter im Bunde hat vermutlich Whiskey es geschafft, von der Arbeitsplatte aus den Griff des kürzlich neu angeschafften Retrokühlschranks hinunter zu drücken und so die Tür zu öffnen, während der Rest der Fellofanten die beiden Dosen abtransportiert, geöffnet und den Inhalt gemeinschaftlich verteilt hat. Offensichtlich haben die Fellnasen unseren Vorsatz, künftig weniger Fleisch zu konsumieren, für uns konsequent in die Tat umgesetzt!

Also ist wieder einmal das kochtechnische Improvisationstalent des mir angetrauten Eheweibs gefragt, um das Weihnachtsessen noch zu retten. Wir als echte „Pottblagen“ haben natürlich immer eine Packung der speziellen Bochumer Bratwurstmarke im Tiefkühler. Also gibt es nun kurzerhand statt Boef bourgignon eine „Bochumer Bratwurst Bourgignon“ mit einer exzellenten Rotweinsauce, Knödeln, Kartoffelstampf und Rotkraut. Das stellt auch den wählerischsten Gourmetgaumen weihnachtlich-zufrieden. Glücklicherweise haben die Fellofanten uns die Vorsuppe und den Nachtisch übriggelassen, und so steht dem weihnachtlichen Festmahl letztendlich nichts mehr im Wege.